Keine weiteren Mikrowohnungen in der Harburger Innenstadt

Keine weiteren Mikrowohnungen in der Harburger Innenstadt

In den vergangenen Jahren ist in Innenstadtbereichen ein Trend zum Bau von Mikrowohnungen zu beobachten. Mikrowohnungen sind nach der Definition der Stadtentwicklungsbehörde flächenoptimierte Wohnungen mit einer Größe von 20 – 30 qm, die über einen Wohn- Schlafbereich, ein Duschbad und eine Kochgelegenheit verfügen. In der Regel werden diese Wohnungen möbliert vermietet.

Häufig werden Mikrowohnungen auch als Studierendenappartements geplant und – überwiegend – auch genutzt. Auch in Harburg sind in den vergangenen Jahren Mikroappartements – häufig mit der vermeintlichen Zielgruppe Studierende – entstanden. Beispielhaft hierfür stehen die ehemaligen Verwaltungsgebäude in Knoopstraße und das ehemalige Phoenix-Verwaltungsgebäude.

Beide Vorhaben wurden dem Bezirkspolitik und der Bezirksverwaltung – bei den ehemaligen Phoenix-Verwaltungsgebäuden jedenfalls teilweise – als Studierendenappartements angepriesen. Leider werden sowohl die Appartements an der Knoopstraße als auch die als Studierendenappartements vorgesehenen Mikrowohnungen an der Hannoverschen Straße nicht zielgruppenspezifisch, sondern – mit einem erheblichen Preisniveau – allgemein als möblierter Wohnraum angeboten. Dort können zwar grundsätzlich auch Studierende ein Appartement mieten. Angesichts der hohen Mieten dürfte dies aber nur den wenigsten Studierenden überhaupt möglich sein. Zielgruppenspezifisch sind die Mieten jedenfalls nicht.

Weitere Projekte dieser Art waren oder sind in der Lüneburger Straße und auf dem Gelände des ehemaligen Harburg-Center am Harburger Ring vorgesehen, wobei dort eine Mischnutzung mit „normalen“ Wohnungen erfolgen wird. Auch im Phoenix-Viertel werden derzeit Mikrowohnungen geplant und errichtet.

Mikrowohnungen haben das Problem, dass sie auf eine sehr enge Zielgruppe ausgerichtet sind. In aller Regel werden Mikrowohnungen als Übergangswohnungen genutzt und weisen daher eine hohe Fluktuation auf. Im Verhältnis zu normalem Wohnraum liegen die Quadratmeter-Mietpreise für diesen möblierten Wohnraum in der Regel auch deutlich oberhalb der ortsüblichen Mieten.

Mikrowohnungen führen zum einen in den Gebäuden selbst zu einer Monostruktur, haben allerdings auch eine monostrukturelle Wirkung auf die Umgebung und das Quartier, wenn Mikrowohnungen in großer Anzahl vorhanden sind, denn die Bildung einer langfristig am Ort wohnenden und sich sozial im Stadtteil engagierenden Einwohnerschaft ist in Mikrowohnungen aufgrund der auf den Übergang ausgerichteten Zielsetzung nicht zu erwarten.

Langfristig bergen Mikrowohnungen das strukturelle Problem, dass bei einer Änderung des Bedarfs Leerstände entstehen, da sie auf einen sehr spezifischen Bedarf zugeschnitten sind und eine anderweitige Nutzung nur eingeschränkt möglich ist.

Auch die im Jahr 2019 veröffentlichte Studie „Wohntrends 2035“, die im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Wohnungs- und Immobilienunternehmen erstellt wurde, zeigt, dass es auch andere Trends gibt, die schnell dazu führen können, dass Mikrowohnungen nicht oder nur noch eingeschränkt nachgefragt werden.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank Richter: “Wir haben das Ziel gerade in der Harburger Innenstadt durch Wohnungsbau eine gute, langfristige Bewohnerstruktur zu erhalten mit Menschen, die sich im Stadtteil nicht nur wohlfühlen sondern auch engagieren. Um ein solches gemischtes Quartier zu erhalten muss der Entwicklung von Monostrukturen mit Mikrowohnungen so weit wie möglich entgegengewirkt werden.”